Highsensitive

Hochsensitiviät bei Erwachsenen und Kindern


                                                                                                                                                       aus der Bergpredigt Math. 5 (5,9)
                                                                                                                                                       Selig sind die Sanftmütigen;
                                                                                                                                                       denn sie werden das Erdreich besitzen.
                                                                                                                                                       Selig sind die Friedfertigen;
                                                                                                                                                       denn sie werden Gottes Kinder heißen.


Hier finden Sie Informationen, die sich im Wesentlichen auf das Konzept von Prof. Aron beziehen. Unter der Rubrik Seele auf Tauchstation werden weitere Modelle sowie Zusammenhänge, z.B. mit Hochbegabung diskutiert und dargelegt.

Begriffsbestimmung

Übersetzt man den Begriff "Highsensitive" ins Deutsche, so bedeutet er zunächst einmal "Hochsensitiv".

Für unseren Sprachraum werden synonym auch die Begriffe "Hochsensibilität" - "Hochempfindlichkeit" - "Zart Besaitet" - oder "Hohe Erregbarkeit" usw. verwendet.
Ich halte mich hier mit der Bezeichnung möglichst nahe an das englische Wort, da sonst die Nähe zum "Sensibelchen" diesen Wesenszug verfälschen würde.
Grundsätzlich beschreibt er die Fähigkeit einer vermehrten Datenaufnahme und emotionalen Erregung, sowie der tiefen spezifischen Verarbeitung von diesen Informationen. Dieses Merkmal macht jedoch den Großteil aller HSP sehr sensibel in ihrem Empfinden und Verhalten.

Historische Entwicklung

Die Phänomenologie der erhöhten Sensitivität ist keine spezifisch neue Entdeckung, sondern beschreibt aus anthropologischer Sicht die Überlebensstrategie einer Art, die bei allen höher entwickelten Tierarten und auch beim Menschen nachgewiesen werden konnte. Beim Menschen betrifft dies ca. 15% - 20% der Population. Als Überlebensstrategie haben sich nämlich ZWEI gegensätzliche Verhaltensweisen durchgesetzt. Die Strategie der überwiegenden Mehrheit beschreibt die Tendenz in neuen und unklaren Situationen dominant (agressiv) zu reagieren und die Andere zuerst innezuhalten (um zu beobachten und nachzudenken). Dies führt dann oftmals zum Rückzug (und nicht zum Angriff oder Konfrontation).

Aus der westlich-orientierten Perspektive der wissenschaftlichen Literatur wird der Wesenszug der Sensitivität auch als scheu, gehemmt, über-sensibel, nervös, eigensinnig usw. bezeichnet und auf eine latente Hemmung zurückgeführt. Es gibt jedoch auch eine östlich-orientierte Wissenschaft, die sich naturgemäß philosophisch anders begründet. Hier wird dieses Phänomen keineswegs in Richtung mentaler Krankheit interpretiert, sondern als Gabe und Zeichen des wachsenden Geistes. In asiatischen Kulturen werden sensitive Menschen hoch geschätzt.

Highsensitive und Prof. Dr. Elaine Aron

Die Neuro-wissenschaftliche Erklärung für diese Eigenschaft oder Fähigkeit nennt sich High sensory processing sensitivity (hochsensorische Verarbeitung von Empfindlichkeit wäre eine adäquate Übersetzung). Man hat festgestellt, dass es interindividuelle Unterschiede hinsichtlich der Qualität und Quantität in der neuronalen Verarbeitung von Informationen des zentralen Nervensystems (ZNS) gibt und diese wiederum das Erleben und Verhalten der betreffenden Personen auf spezifische Art und Weise beeinflussen (Dunn, 1997).

Ca. 70% der HSP (high sensitive persons) sind introvertiert und dazu finden Sie unter der Rubrik Persönlichkeitstypologie weitergehende Informationen.
Dr. Aron ist nicht nur die "Erfindung" dieses Begriffes zu verdanken, sondern auch weitergehende Forschung und Verbreitung eines Sachverhaltes, der von wissenschaftlich tätigen Psychologen in erster Linie als psychische Störung angesehen wurde. So wie eine Medaille eben zwei Seiten hat, so nimmt sie mit ihrer Arbeit die andere Perspektive ein und stellt die positiven Aspekte der Hochsensitivität heraus. Das dies alles in einem engen Zusammenhang mit besonders hoher(n) Begabung(en) steht ist unumstritten.

Um Ihnen nun erstmal einen Einstieg zu erleichtern, empfehle ich den Selbsttest.Er spiegelt recht gut wieder worum es geht und was damit gemeint ist.

Wenn Sie der Meinung sind, dass dieser Wesenszug auf Sie zutrifft, dann sollten Sie folgendes zur Kenntnis nehmen:

- ein hochsensitiver Mensch (HS) zu sein  ist ganz normal und kommt bei ca. 15-20% der Bevölkerung und in etwa gleicher Verteilung bei höher entwickelten Tierarten vor.

- HS bedeutet, dass Ihr Nervensystem Feinheiten besser wahrnimmt. Das heißt jedoch nicht zwangsläufig (es kann aber sein!), dass Sie besser sehen, hören oder ihr Geruchssinn besser ausgebildet ist.  Ihr Gehirn erkennt jedoch mehr Informationen und verarbeitet diese tiefer, denn Wahrnehmung ist an Erkenntnis gebunden.

- es handelt sich dabei um kein wesentlich neues Phänomen, sondern wurde schon als Schüchernheit, Introversion (ca. 70% aller HS sind introvertiert), Ängstlichkeit oder gehemmt usw. bezeichnet.  HS Personen können sich so verhalten, dies ist jedoch nur eine Folge ihres ausgeprägten Nervensystems und nicht Ihr grundlegendes Persönlichkeitsmerkmal.

- die Gründe für diese negative Einstellung seitens der Forschung und der Gesellschaft ist wohl in unserer Kultur zu suchen, wo nur "der Starke" Extrovertierte zu den Gewinnern zählt. "Setz Dich durch", wird schon im Kindesalter gelehrt. Erstaunlicherweise ist dies z.B. in der japanischen Kultur völlig anders. Dort wird die vornehme Zurückhaltung von HS sehr geschätzt und hochgeachtet.

Erleben und Verhalten von HSP                             


Die Besonderheit der intensiven Wahrnehmung und die tiefe Verarbeitung aller Eindrücke ist Freude und Last zugleich. HSP sind leichter überregt, ziehen sich zurück, sind Einzelgänger. Sie besitzen aber auch eine ausgeprägte Intuition und lebendige Vorstellungskraft. Sie denken in größeren Zusammenhängen und besitzen einen ausgepägten Gerechtigkeitssinn. Oftmals sind sie gute Zuhörer und zeichnen sich durch ein großes Harmoniebedürfnis aus. Kreativität, Empathie und eine gute Lernfähigkeit bis ins hohe Alter, sowie Gewissenhaftigkeit, Ethik und ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn gehören zu den besonderen Fähigkeiten von HSP. Das sollten Sie sich vor Augen halten und ihre wertvollen positiven Eigenschaften stärken.


Hochsensitive Kinder

Ca. 15-20% unserer geborenen Kinder sind hochsensitiv. Ihr Nervensystem reagiert schneller und feiner auf Reize, die tiefer verarbeitet werden. Sie erfassen kleinste Veränderungen und haben die Tendenz diese durchdringend und bewusst zu verarbeiten. In neuen Situationen denken sie also lieber darüber nach anstatt äußerlich zu agieren. Für den außenstehenden Betrachter erweckt dies oftmals den Eindruck, dass das Kind mal wieder nichts mitbekommen hat. Es kann auch sein, dass es noch mit einem ganz anderen Thema beschäftigt ist und dies noch nicht verarbeitet wurde oder es hat schlicht und einfach kein Interesse. Banale Dinge oder Gegebenheiten, die aus ihrer Sicht keinen Sinn ergeben (das kann Spiele mit Gleichaltrigen betreffen, die Unterrichtsinhalte in der Schule usw. ) werden ignoriert. Gerade die normalen Dinge des Lebens scheinen ihnen sehr schwer zu fallen. Auf der anderen Seite sind sie leichter überstimuliert und plötzliche Veränderungen sowie  zwischenmenschliche Disharmonien  versetzen sie in Stress und lassen sie "unnormal" reagieren. So wie bei allen anderen Menschen auch gibt es große Unterschiede hinsichtlich des Temperamentes und manche Kinder sind sehr aktiv, neigen zu Gefühlsausbrüchen, sind sehr fordernd  und zwanghaft, während andere sehr ruhig und in-sich-gekehrt erscheinen, besonders wenn sie in eine Gruppe von Kindern kommen, die sie nicht kennen.

Zur Schulsituation besonders friedliebender Kinder und Allen, die jenseits des "Normalen" oder normierten Mittels liegen, finden Sie den Artikel Kinder, Schule, ADS und Hochbegabung.

Hochsensitive Kinder sind die liebevollen Boten des Universums (Hoffmann, 2001).
Aber das Wichtigste ist, dass es bestimmt keine Krankheit und auch kein Syndrom ist.

Es ist wichtig diesen Wesenszug als Eltern zu verstehen, zu respektieren und dem Kind vor allem keine Vorwürfe machen und ihm mit Liebe zu begegnen. Das heißt jedoch auf gar keinen Fall alles durchgehen zu lassen, denn das wertet das Kind mit Gleichgültigkeit. Begegnen Sie ihrem Kind und auch anderen Menschen mit Achtsamkeit-
Achtsamheit bedeutet im Buddhismus eine Mischung aus sehr viel Bewusstheit, Kraft, Liebe und Disziplin. Erwarten Sie etwas von ihrem Kind und achten Sie auf die Einhaltung ihrer Anweisungen.
Des Weiteren ist eine Überstimulation mit Reizen, insbesondere Game-Boy, Fernsehen und Computer zu vermeiden und es ist besser, dafür feste Zeiten festzulegen. Ruhe und Ruhezeiten sollten ausreichend eingeplant werden. Bewegung und Spiele in der freien Natur, im Wald oder in den Bergen sind für diese Kinder extrem wichtig. Symbole und Märchen sind fester Bestandteil ihrer Welt und ein Kind profitiert von einem Abend am Lagerfeuer mit Geschichten über Feen und Elfen oder Magier weit mehr, als von einem Besuch in einem (lauten) Freizeitpark.