Seele auf Tauchstation



"Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, die sie nicht sehen können.
Darum kann nur der Weitblickende hier Einsichten gewinnen, denn der Wahrheit ist nur ein kurzes Siegesfest beschieden-
Sie gilt lediglich zwischen den beiden langen Zeiträumen, wo sie als paradox verdammt und
später als trivial geringgeschätzt wird.

Aber das Leben ist kurz und die Wahrheit wirkt ferne und lebt lange;

sagen wir die Wahrheit."

                                                                                                                                         -Arthur Schopenhauer-
                                                                                                                                geschrieben zu Dresden im August 1818

Vorwort

Mittlerweile kann es als gesichert gelten, dass die Menschheit sich von der Hand- zur Kopfarbeit entwickelt. Das Arbeiten im Kopf oder mit dem Kopf wird gemeinhin als Denken bezeichent. Es ist ein innererer Prozess, wir betreten hier die Welt der Gedanken, Phantasien, Träume und Visionen. Es ist die reiche und komplexe Innenwelt, die den HSP oder den Introvertierten oder den Autisten/Asperger oder den Hochbegabten oder den allgemein Gestörten oder wie auch immer man dieses Wesen bezeichnet, mehr zu eigen ist als die Außenwelt. Sie werden als U-Boote geboren, mit der Fähigkeit abzutauchen in den dunklen, tiefen Ozean- dorthin wo kein Auge reicht. Sie sind Einzelgänger, oder wie Einstein sagt "Einspänner", ihre Spezialität ist die Datenaufnahme. Haben sie genug Daten gesammelt, tauchen sie ab und verarbeiten diese. Mache von ihnen können sehr tief tauchen und finden den Weg zur Wasseroberfläche nicht mehr, sie brauchen Hilfe.
Aber die Mehrheit schafft dies ganz gut und sie haben mit der Zeit gelernt ihr Periskop auszufahren und damit hin und wieder einen Rundumblick zu riskieren, um noch up to date zu sein, sich aber gleichzeitig unter der Wasseroberfläche vor Überstimulation zu schützen. Dabei interessieren sie sich nicht für die alltäglichen Dinge des Lebens, sondern halten Ausschau nach dem, was für sie wichtig erscheint. Haben sie dies gefunden, tauchen sie auf und steuern volle Fahrt voraus darauf zu, sie hyperfocussieren. Dabei lassen sie sich von ihrem Gefühl leiten, nach dem Motto "Fein, spannend...Da habe ich Lust zu". Haben sie keine Lust, passiert auch nichts.
Aus der Sicht der Schiffe sind U-Boote seltsame Wesen... sie sollen sich anpassen, sie sollen sich wie Schiffe verhalten (was soll dieses Abtauchen?), sie sind eine Laune der Natur, unnormal, sie müssen krank sein.
Nebenbei bemerkt, es gibt keine U-Boot Schule, keiner sagt den kleinen U-Booten was sie sind, was sie können, was sie könnten, worauf sie beim Abtauchen achten müssen, bis sie selber denken mit ihnen stimmt was nicht, oder sie bekommen es gesagt. Sie wollen so sein wie alle anderen und je mehr sie das versuchen und nicht mehr tauchen, desto verstörter werden sie. Manchmal ist ihnen das alles aber auch schon egal, sie tauchen wann immer sie möchten und die Außenwelt scheint nicht länger von Wichtigkeit für sie zu sein.
Sie brauchen die Stille des Ozeans, sie brauchen Lehrer die sie unterrichten, sie brauchen ihre Umwelt und Kontakt zu anderen U-Booten, sie müssen lernen sich in der Welt zurechtzufinden und ihre Fähigkeiten gezielt einzusetzen.
Im umgekehrten Fall stelle man sich ein Schiff unter lauter U-Booten vor und die Eltern, Lehrer und die Gesellschaft versucht verzweifelt das kleine Schiff zum Tauchen zu bewegen.
Und warum? Wozu braucht die Welt U-Boote?
Dazu möge sich nun jeder seine eigene Meinung bilden, aber soviel sei mir gestattet:
U-Boote können dorthin fahren und die Tiefe des Meeres erforschen, dorthin- wo Schiffe niemals hinkommen (es sei denn, sie rammen einen Eisberg und sinken).
(...)
                                                                                                                     

Über Hochbegabung, Intelligenz und Genies

Der folgende Link wurde mir von der DGHK (Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind) zugeschickt und soll auf den nach folgenden Text einstimmen.


Mit Hochbegabung verbinden die meisten Menschen den bebrillten Überflieger in der Schule oder auf der Universität, hier wird von klassischer Test-Intelligenz oder auch akademischer Intelligenz gesprochen. So schillernd dieser Begriff auch erscheint, so umstritten ist das Konzept der Hochbegabung innerhalb der wissenschaftlichen Diskussion und kritische Stimmen behaupten, dass Intelligenz (nur) DAS ist, was der Test misst. Nicht mehr- und nicht weniger. Ohne jedoch hier den Eindruck zu erwecken, diese Hochbegabung nicht zu würdigen oder in ihrem Wert herunterzuspielen, so handelt es sich um einen "Idealfall" wo es keine Probleme gibt und alles offensichtlich wie am Schnürchen läuft.

Bei der Mehrheit der Hochbegabten, man geht hier von 2/3 aus, liegt der Fall ganz anders. Es gibt große Probleme in der Schule und im häuslichen und/oder sozialen Bereich und bei getesteten HB´s wird auch von Underachievern gesprochen. Manche werden auch als HB mit ADS diagnostiziert. Auf der anderen Seite wissen viele Menschen gar nichts von ihren Fähigkeiten, die Dunkelziffer ist also sehr hoch. Aber wo liegt denn da der Unterschied, werden Sie sich jetzt fragen?

Es hängt mit dem Grad der Sensitivität zusammen und einer vermehrten Datenerkennung, sowie spezifischen Verknüpfung mit dem Emotionssytem, was das phylogenetisch Ältere darstellt. Nach neusten Forschungen steht dies auch in engem Zusammenhang mit komplexer Problemlösungskompetenz. Kreativität ist eine weitere Komponente dieses Ansatzes. Dazu gehört das divergente Denken und das Denken in Bildern. 

Prof. Shelley Carson von der Harvard University benutzt im Gegensatz zu Aron den Begriff "Genie". Bei Genie denken wir unweigerlich an große Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, wie Leonardo da Vinci oder Albert Einstein. Das der Begriff Genie aber auf den zweiten Blick gar nicht so positiv zu bewerten ist, zeigt schon die Tatsache, dass Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegen. Die Psychologin Carson geht davon aus, dass die Gehirne von Genies anders arbeiten, weil sie die eintreffenden Reize weniger filtern. Auch sie vermutet, dass die "latente Hemmung" reduziert ist und die davon betroffenen Menschen für Reize besonders offen sind.

Der Philosoph Arhtur Schopenhauer schrieb dazu schon 1888:

"Auch macht sich schon hier die Verschiedenheit des Genies vom Hochbegabten bemerkbar, dass den Vorzug hat, mehr in der größeren Gewandheit und Schärfe der diskursiven, als der Intuitiven Erkenntnis liegt. Der Hochbegabte denkt rascher und richtiger als die Übrigen;
das Genie hingegen schaut eine andere Welt an als sie Alle, wiewohl nur indem es in die auch ihnen vorliegende TIEFER hineinschaut, weil sie in seinerm Kopfe sich objektiver, mithin reiner und deutlicher sich darstellt."

"die Grundbedigung ist ein abnormes Überwiegen der Sensibilität....."

Nach Aron sind ca. 70% der HSP introvertiert und es ist davon auszugehen, dass mit steigendem Grad der Introvertiertheit die Intelligenz ansteigt. Nun dürfte relativ klar sein, dass hohe Sensitivität etwas mit Intelligenz "zu tun" hat, aber eben auf eine spezifische Weise und jenseits der klassischen Testintelligenz. Auch darf in diesem Zusammenhang nicht verschwiegen werden, dass Genies und besonders kreative Menschen wie Künstler und Dichter bestimmte Persönlichkeitsmerkmale mit schizophrenen Patienten teilen. Diese Tendenz beschreibt auch Rogers in seinem Empathiekonzept, wenn er von der Gefahr spricht sich in einem Anderen zu verlieren. Die Tendenz von Introvertierten ein öffentliches und ein privates Selbst zu haben, bereichert sie zwar um eine komplexe Innenwelt, zwingt sie jedoch zu differenzieren. Ein extrovertierter Mensch hat diese große Differenzierung nicht und kann sich nur schwer in diesen Umstand hineinversetzen. Wie soll er auch von einer reichen Innenwelt wissen?

Wie man auch immer Highsensitives bezeichnet, sie haben besondere Fähigkeiten, sie haben aber auch besondere Probleme in unserer Gesellschaft zu bestehen.


Kinder, Schule, ADS und Hochbegabung

Die Kombination von Hochsensitivität (HS) und Hochbegabung (HB) geht oftmals Hand in Hand, aber nicht jeder HB ist auch gleichzeitig HS und umgekehrt. Wenn jedoch beides  zusammentrifft, wird oftmals ein ADS diagnostiziert und dann zu einer pharmakologischen Behandlung mit Ritalin o.ä. geraten. Zunächst wird damit eine höhere Konzentrationsfähigkeit gerade im Bereich der Schulsituation erreicht, vielfach sinkt jedoch  die Akzeptanz nach einiger Zeit gegenüber der Medikation. Hier darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass nahezu jeder Mensch positiv mit einer Leistungssteigerung auf Ritalin/Medikinet reagiert.

Ein hochsensitives HB Kind hat oftmals einen anderen bevorzugten Denkstil, es denkt in Bildern. Die Psychologin Lesley Sword bringt es auf den Punkt, indem sie schreibt:

"You teach in WORDS,

I Think in PICTURES !"

Dem wäre nur noch ein "ABER" hinzuzufügen: "Du lehrst in Worten, ABER ich denke in Bildern!"

Mittlerweile ist es nahezu unumstritten, dass es verschiedene Denk- und Lerntypen gibt. Häufig werden in der Gegenüberstellung die Begriffe konvergentes oder lineares Denken und ein entsprechend auditiv sequentieller Lernstil und ein divergentes, visuelles oder laterales (de Bono) Denken und ein visuell räumlicher Lerntypus benutzt. Dieses Denken in Bildern beschrieb schon Albert Einstein und es wird auch als kreatives, schöpferisches Denken bezeichnet. Wenn ein lineares Denken vorliegt, gibt es kaum Probleme im Schulbereich, denn unser Schulsystem ist genau darauf ausgerichtet.

Betrachtet man die Schulsituation in Deutschland mit kritischen Augen, so zeigt sich eine erhöhte Gewaltbereitschaft, Verfall von Werten und Normen, oftmals hilflose und resignierte Lehrer unter Druck und Sparzwang. Nach einer Umfrage an Gymnasien und Gesamtschulen in Duisburg und Aachen berichteten mir über die Hälfte der Schüler, dass sie keinen Sinn in den Unterrichtsinhalten sehen. Dabei ist es mittlerweile bekannt, dass Frotalunterricht wenig zukunftsweisend ist und dass sich unser System des Lehrens noch wie im Mittelalter darstellt. Die Schüler und damit die Zukunft unserer Gesellschaft soll sich zu eigenständig denkenden, kreativen und gebildeten Menschen entwickeln und wird mit Methoden unterrichtet, die dies alles untergraben. Als Beispiel wird im Fachbereich Mathematik in NRW ein Lehrbuch benutzt, dass häufige Themenwechsel vorsieht, um damit dem Schüler immer was neues und interessantes zu bieten, um also seine Motivation zu erhöhen. Diejenigen Kinder, die in größeren Zusammenhängen denken und den Sinn erfassen wollen, wissen gar nicht was das alles soll und welches Thema gerade bearbeitet wird.

Ist es schon um unser Bildungssystem nicht zum Besten bestellt, ist es für HB & HS Kinder eine einzige Katastrophe. Gemeinhin werden diese Kinder als Underachiever, ADS´ler, Lern- und Sozialgestörte, Amokläufer, Gehemmte oder einfach nur schlecht erzogene Kinder bezeichnet. Es ist auch gar nicht selten, dass sie auf der Hauptschule landen, denn die richtige Schule zu finden, gleicht einem Lottogewinn. Für engagierte Eltern sind Internate die letzte Hoffnung, aber bis dahin sind Eltern und Kinder ausgebrannt und verzweifelt. Angesichts der Hochglanzbroschüren und Beratungsstellen, Internetseiten zur Begabungsförderung und Tagungen, sowie Konferenzen und unzählige Studien, Bücher, Expertenmeinungen, Interessensverbände ein wirklicher Hohn. Dieses Geld könnte man wesentlich besser anlegen, indem endlich eine Schulsituation geschaffen werden würde, die allen Kindern gerecht wird. Länder, wie z.B. Schweden sind wesentlich besser und fortschrittlicher.

Dabei gehöre ich nicht zu denjenigen, die Eliteschulen haben möchten. Bessere Schulen sollen allen Kindern zur Verfügung stehen, nur soll man endlich begreifen, dass es Kinder gibt, die anders lernen und anders sind als die überwiegende Mehrheit. Sie denken divergent und ihre besonderen Eigenarten sollen respektiert werden. Jeder Mensch hat das Recht auf freie Entfaltung, so steht es in unserem Grundgesetz.

Ich selber habe viele persönliche Schicksale, verzweifelte Eltern und Kinder kennengelernt, die ihr Potential nicht entfalten können. Sie wurden nicht unterrichtet und keiner konnte ihnen sagen, was mit ihnen los war. Sie fühlten sich dumm, krank und nichts mehr wert. Sie standen nicht mehr auf, um sich zu wehren und am Schluss zahlten die Krankenkassen in Form von Medikation und Therapie.

Das Schlimme daran ist, dass sie das Abitur nicht schaffen und der Zugang zur Hochschule ihnen verwehrt ist. Hier könnten sie endlich zeigen, was in ihnen steckt, doch wer dermaßen traumatisiert wurde hat gar nicht den Wunsch nochmal die Schulbank zu drücken, hat gar nicht das Vertrauen in sich so etwas wie ein Studium schaffen zu können. Dabei liegt die Zukunft mit neuen Erfindungen, Technologien und besseren Werten auch in ihren Händen...

Ich sehe meine Aufgabe darin, meine Erfahrungen und auch meine Ausbildung dazu zu nutzen, diese Informationen anderen Eltern und Interessierten zur Verfügung zustellen.